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Blog #19 – Rückblick – Teil 3: Warum blieb ich so lange im Leiden?

In diesem Rückblick spreche ich darüber, warum ich offensichtliche psychische Belastungen in Job und Privatleben so lange aufrechterhalten und ausgehalten habe und wie es sich anfühlt, mit Psychopharmaka behandelt zu werden.

Ich erinnere noch einmal an meinen Blog#4.

https://safespaceforchange.de/coaching-in-verbindung-mit-therapeutischen-modalitaeten/

Dort geht es um die Überwindung von psychischen Blockaden in Coaching und Therapie.

Wie man in dem Artikel, der eine plausible Version einer Veränderungsformel behandelt, noch einmal detailliert sehen kann, musste ich mir letztlich eingestehen, dass das Überwinden des psychologischen Widerstands, der mich in meiner damaligen Lage des Leidens festgehalten hat, zentral war für meine Gesundung.

Zentral vor allem für die nachfolgende Erarbeitung einer lohnenden Vision eines Lebens nach meiner langen und beständigen Karriere in der Finanzwirtschaft und entscheidend für das Erlangen der Fähigkeit, konkrete Schritte zur Umsetzung des „erdachten“ Horizonts der Vision meiner neuen Zukunft einzuleiten.

Viel Spaß beim Lesen!

In den beiden letzten Artikeln schrieb ich über das Überwinden der sozialen Phobie und wie es sich angefühlt hat, damit zu leben.

Rückblickend eine interessante Erfahrung, speziell auch wie es sich anfühlt, mit Psychopharmaka behandelt zu werden. Meine Erfahrung ist, dass diese Medikamente sicherlich ihre Berechtigung haben, wenn sie parallel zu einer vom Patienten als sinnvoll empfundenen und förderlichen Psychotherapie verschrieben werden. Diese Substanzen können es speziell bei langanhaltenden Angsterkrankungen schaffen, den Patienten so weit zu stabilisieren, dass dieser überhaupt therapiefähig wird.

Der Preis, den ich seinerzeit allerdings für die Einnahme gezahlt habe, war das Leben wie unter einer Glocke abgeschirmt zu erleben. Ich gab einen Teil meiner emotionalen Erlebniswelt und meiner Persönlichkeit im Austausch für eine unter dem Einfluss des Medikaments wirkende Phase der Stabilisierung der Angst auf. Der Fokus der Medikamente lag also in meinem Fall darauf, meine Alltagstauglichkeit dadurch sicherzustellen, dass ich die Angst nicht mehr als so bedrohlich wahrnahm.

Ein Handel, der für mich leider nicht aufgegangen ist. Es bildete sich eine psychische Abhängigkeit von der Substanz. Aus meiner Erfahrung heraus sind es andere wirksamere Faktoren, die an den aufrechterhaltenden Bedingungen einer psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Angsterkrankung rütteln.

Psychische Erkrankungen sind oft multi-faktoriell, sie können also durch ganz verschiedene Faktoren ausgelöst oder begünstigt werden.

Sie scheinen unter anderem dann zu entstehen, wenn wir über einen langen Zeitraum unsere Autonomie über unsere Bedürfnis-Befriedigung verlieren. Durch diese Frustration entstehen unerwünschte Gefühle, die wir inakzeptabel finden und die nach Möglichkeit verschwinden sollen.

Wir streben nach guten Gefühlen und diese erreichen wir durch Strategien, die wir wiederum in gesund und ungesund unterteilen können.

Meine Strategien im Alltag zielten primär auf Vermeidung angstauslösender Situationen bei zeitgleicher Aufrechterhaltung des schönen Scheins der Funktionalität ab.  

Letztlich erreichte ich meine Alltagsfunktionalität durch das Tragen einer „Maske“ der Professionalität, die aber in ihrer Ausprägung übertrieben war. Solange ich körperlich dazu in der Lage war, arbeitete ich lange Tage oder versuchte viele Dinge auf einmal in einer unangemessen hohen Intensität mit hohem Qualitätsanspruch zu bewältigen. Trifft diese Grundstimmung noch auf ein kompetitives Arbeitsklima mit hoher Grundleistungsbereitschaft, ist es nicht mehr weit für den Betroffenen bis zur Selbstaufgabe.

In der Endphase der Entwicklung passte ich meine Bewältigungsstrategien an und schwenkte um auf ein eher suchtartiges Verhalten.

Eine dieser ungesunden Strategien neben dem Konsum von Alkohol, der leider in meiner Branche sozial legitimiert erscheint und Teil des Business-Rituals bei jedem Abendessen ist, war zum Beispiel das Praktizieren einer Risiko-Sportart. Das Ziel dessen war die Unterdrückung von Leidensgefühlen durch das Aufsuchen extremer Risiko-Erlebnisse. Der Überschuss an Adrenalin und Cortisol in meinem System sollte genau mit diesem Mittel bekämpft werden. Eine interessante Strategie, die sich die Psyche da zurechtlegt. Es gibt diverse psychologische Abwehrmechanismen. Hier lernen wir nur zwei kennen, aber es gab allein in meinem Leben diverse unterschiedliche Strategieansätze, ohne hier weiter ins Detail zu gehen. Die Psyche kann sehr kreativ sein.

Das Bild zu diesem Artikel zeigt mich bei der Absolvierung eines Ausbildungs-Sprungs beim Fallschirmspringen und spricht absolut für sich selbst.

Eine halbe Stunde nach dieser Aufnahme kam es zu einem fast folgenschweren Unfall beim Solo-Sprung, der mich schwer zum Nachdenken über diese Strategie brachte und ein elementarer Baustein auf dem Weg zur Änderung meiner Situation war.

Im Nachhinein erkenne ich, dass nichts an meinen Symptomen wirklich krank war. Es war im Gegenteil absolut psycho-„logisch“, welche Fingerzeige mir meine Psyche gab, um mich umsteuern zu lassen.

Mein Zustand „forderte“ die Symptome geradezu zu ihrer Existenz auf.

Heute erkenne ich, was da ablief. Leider tat ich das nicht, als ich in der Situation war. Und so ist es leider mit den meisten Menschen, die ähnliche Herausforderungen im Leben bewältigen müssen.

Die aufrechterhaltenden Bedingungen für die schlimme Lebenssituation, in der ich mich freiwillig aufhielt, waren zunächst ganz alltäglicher und nachvollziehbarer Natur.

Die Angst vor einem Leben außerhalb der gewohnten beruflichen Umgebung. Der Verlust finanzieller Absicherung. Die Scham, sozial als Versager wahrgenommen zu werden. Die gespürte Verantwortung, auch andere Menschen durch mein Tun negativ beeinflussen zu können. Der Mangel an Alternativen.

Nun zu den etwas subtileren Faktoren:

Das fehlende Bewusstsein für die Möglichkeiten und Alternativen, die uns heute offenstehen. Das fehlende Bewusstsein für die eigene Identität, die eigenen Bedürfnisse und die Schöpferkraft und Kreativität, die uns allen zur Verfügung stehen. Die Kenntnis von Hilfsangeboten und therapeutischen Modalitäten und auch Coaching-Methoden, den psychologischen Widerstand positiv zu beeinflussen.

All das nennt man das Kernkonstrukt vom Leben, das sehr individuell ist und aus den Erfahrungen und erlernten Prägungen und Überzeugungen resultiert.

Wir machen uns also ein Bild von unserer Wirklichkeit, ein Konstrukt, welches vielleicht schon von unserem Nächsten nicht mehr als wahr erkannt wird, für mich aber die unverrückbare totale Realität bedeutete. Ich war erstarrt im Glauben an diese eigene Wahrnehmung, die in diesen Krankheitszuständen leider stark verzerrt ist.

Der Weg zum Auflösen des Widerstands ist immer eng verknüpft mit dem Erlernen eines gesunden Zugangs zu den eigenen Emotionen und deren Regulation im Alltag. Ferner ist es unabdingbar in die Eigenverantwortung zurückzukehren, um dann neue Ziele ansteuern zu können, die nichts mehr mit Vermeidung eines schlechten Gefühls, sondern mit Ansteuern lohnender Ziele zu tun haben.

Und wenn wir das verstanden haben, finden wir uns im Modus der Hoffnung und Kreativität wieder und erleben einen Zufluss an positiver Lebensenergie. Es geht also um Lebens-Sinn und das Erleben und Ausleben der eigenen Authentizität.

Wer sich angesprochen fühlt von dieser Beschreibung, sollte den aufkommenden Eingebungen folgen und ein Investment in sich selbst vornehmen, sei es über Coaching oder Therapie, den Widerstand zu bearbeiten und in Kontakt mit sich selbst, dem Leben und seinen Möglichkeiten zu kommen.

Herzliche Grüße,

Michael Harms

NB: Ich verwende der Einfachheit halber keine genderorientierte Differenzierung, respektiere diese aber vollkommen. Ich greife aus reinen Zeitgründen zur konservativen Schreibweise. Es sei mir hoffentlich verziehen 😊

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