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Blog #20 – Rückblick – Teil 4: Auf dem Weg zurück zum eigenen Bewusstsein

In den letzten 3 Teilen meiner Rückschau auf meine eigene Heilungs-Reise erklärte ich, wie mich meine soziale Phobie jahrelang beeinträchtigte und welche Methode mir effektiv geholfen hat, diese zu überwinden.

Damit war eine große Herausforderung aus dem Weg geräumt, doch damit fing die eigentliche Veränderung erst an.

In diesem Blog geht es um das Wiedererlangen eines Gefühls, ins eigene Bewusstsein zurückzukehren. Auch erzähle ich von einem Grundbedürfnis, welches wir oftmals missachten, welches aber essenziell für Wahrnehmung und Resilienz sein kann. Und es geht um den Camino de Santiago, den Jakobsweg, und was dieser für mich mit alldem zu tun hatte.

Viel Spaß beim Lesen!

Im Jahr 2016 investierte ich in ein Coaching, welches mir den Blick darauf eröffnete, in welchem Zustand ich gewesen bin. Nach dem Entfall der sozialen Phobie war noch lange nicht alles gut.

Meine Batterien waren leer, weil ich in den Jahren zuvor eine Menge Energie dafür aufwenden musste, meine Maske aufzubehalten und Vermeidungsstrategien für meine Angst und meine übrige desolate Lebens-Situation anwenden musste.

In diesem Coaching wurden mir die Grundbedürfnisse des Menschen zum ersten Mal aktiv vor Augen geführt und es war meine Aufgabe, zu reflektieren, in welchen Bereichen ich mir diese Bedürfnisse wirklich erfüllte. Ohne in die Details zu gehen, kann ich sagen, dass ich in fast allen Bereichen eine erschreckend niedrige Punktzahl erzielte.

Ein abgefragtes Bedürfnis war besonders schwierig für mich. Das Gefühl eine Form von Spiritualitätsempfinden zu haben. Überschrieben war das Thema damals einfach grob mit Religion/Spiritualität.

Das Thema hatte seinerzeit tatsächlich nicht viel Raum in meinem Leben, obwohl meine Familie und ich durch Schicksalsschläge hart im Privaten getestet wurden und ich einen solchen Anker hätte gebrauchen können. Beim näheren Hinsehen im Coaching fiel mir dann aber auf, dass mich Spiritualität sehr wohl betraf und mir dieses Konzept auch schon konkret geholfen hatte, das allerschlimmste an Negativ-Erfahrungen, die an meinem Konzept von Religion und Spiritualität schüttelten, auszuhalten und irgendwie zu bewältigen.

Aufgrund meines eingeschränkten Bewusstseins im damaligen latenten Überlebensmodus war mir dieser Mangel aber gar nicht aufgefallen, stattdessen dachte ich, dass eine Risikosportart mein Bewältigungsmechanismus sein könnte, weil ich dort unmittelbar mit meinen Emotionen verbunden sein konnte. Diese hatten viel mit Adrenalin und einem Kick, ähnlich einer Droge, zu tun.

Die Spiritualitätserfahrungen hingegen hatten eine andere emotionale Ausdruckskraft.

Mich beschäftigten diese Erkenntnisse des Coachings so sehr, dass ich mich für spirituelle Konzepte zu interessieren begann. In dem Masse, in dem das geschah, reduzierte sich mein Suchtverhalten und mit dem wieder erlangten Bewusstsein für das, was mich schädigte und das, was mir offensichtlich guttat, investierte ich weiter in meine Selbstfindungsarbeit. Ein Investment, das schnell Früchte für mich trug.

Ich hatte im Jahr 2016 eine Fallschirmausbildung in Madrid gebucht. Diese fand letztlich vor Ort aber nicht statt, weil es während meines Aufenthalts historisch nie dagewesene Regenfälle in der Region Madrid gab. Ein Ort, an dem normalerweise ideale Bedingungen für Fallschirmspringer in großen Teilen des Jahres herrschen. Ich musste also ganz plötzlich und völlig unerwartet damit zurechtkommen, eine Woche mit mir selbst zu verbringen, etwas, was ich so eigentlich, außer auf Geschäftsreisen (und da leider zuhauf) selten für mich erlebt hatte.   Während dieser Zeit genoss ich die Freiheit, meinen Interessen völlig uneingeschränkt nachgehen zu können. Madrid ist eine wunderbare Stadt und kulturell reich an weltlichen und religiösen Stätten.

Mit dem Eindruck, nicht das verrichtet zu haben, wozu ich eigentlich angereist war, also die Fallschirm-Lizenz zu erwerben, kehrte ich zurück nach Hause.

Da ich ein Dickkopf bin, buchte ich mir ein Flugticket für das nächste Jahr, um das Projekt abschließen zu können. Parallel dazu hatte ich aber etwas später in Deutschland harte Negativerfahrungen mit dem Springen, was dazu führte, dass ich offensichtlich wieder hinhören sollte, ob das wirklich mein Weg war. Ich erkannte, dass dieses Hobby noch mehr an mir zehrte, als es mir guttun würde.

Irgendwann kam mir eine Eingebung zu Spanien. Ich hatte Jahre zuvor Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ gelesen und dieses Buch hinterließ bei mir damals, wie bei vielen anderen Deutschen auch, einen riesigen Nachhall. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich nach der Madrid-Erfahrung das noch vorhandene Flugticket anders einsetzen sollte. Gedacht, getan! Ich buchte mir ein weiteres Anschlussticket von Madrid nach Porto, nachdem ich mich detailliert mit den Caminos (den Jakobswegen Spaniens und Portugals) auseinandergesetzt hatte. Da ich nicht viel Zeit zur Verfügung hatte, fasste ich den Plan, den Camino-Portugues im Mai des nächsten Jahres gehen zu wollen. Eine Strecke von etwa 240 km, die mir in meiner Naivität in einem Zeitraum von 14 Tage inklusive An- und Abreise machbar erschien.

Schließlich musste ich ja am 11.06. wieder in der Heimat sein, um die nächste Geschäftsreise nach Japan antreten zu können.

Und so war der Plan gefasst, der einiges in meinem Leben positiv auf den Kopf stellen würde.

Wer an diesem Thema interessiert ist, findet einen Podcast zu meinen Jakobsweg-Erlebnissen beim lieben Markus Poschlod, Radio-Moderator und Herausgeber des „Camino-Podcast“, hier auf meiner Website verlinkt.

https://open.spotify.com/episode/1SbUQMB4v1DHD1ZdFCsh8V

Der Jakobsweg war für mich ein therapeutisches Erlebnis. Ein Wiedererlangen eines klaren Bewusstseins. Eines Bewusstseins dafür, was meine wirklichen Bedürfnisse waren, die von mir zuvor völlig vernachlässigt wurden. Es war zudem eine Reise zu meinen Werten und zu meiner spirituellen Seite, die zuvor in meinem Leben keinerlei Wertschätzung erlebte. Dies hängt für mich vermutlich auch damit zusammen, dass ich zuvor keine wirklich bereichernde Religiosität im klassischen Sinne erlebt habe. Und Religion hat auch heute für mich eher etwas Trennendes als etwas universell Vereinendes, so wie ich es auf dem Camino in meinem eigenen Bewusstsein für meinen spirituellen Anteil erfahren durfte.

Der nächste Teil wird von Heilung des Körpers handeln. Auch für meinen Körper hatte ich kein vollständiges Bewusstsein mehr und auch hier waren Bedürfnisse durch mich und meinen damaligen Lebenswandel mit Füssen getreten worden. Der Körper, der sich mir wieder erschloss, auf der damals für mich unglaublichen Wanderstrecke von mehr als 200 Kilometern.

Rückblickend betrachtet, ist diese Abfolge von Selbsterfahrungen höchst „psycho“-logisch, deshalb möchte ich sie teilen, um anderen Menschen auch ein Bewusstsein für eine verzerrte Wahrnehmung des Lebens und der eigenen Umwelt und des eigenen Selbstkonzepts und den damit verbundenen körperlichen und seelischen Folgen zu verschaffen. Denn mit dieser Erkenntnis beginnt fast jede Heil-Reise.

Herzliche Grüße,

Michael Harms

NB: Ich verwende der Einfachheit halber keine genderorientierte Differenzierung, respektiere diese aber vollkommen. Ich greife aus reinen Zeitgründen zur konservativen Schreibweise. Es sei mir hoffentlich verziehen 😊

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