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Blog #14 – Rückkehr aus dem Sommerurlaub in die Arbeit und zum Leben gehört auch das Sterben

Zwei Wochen Urlaub sind vergangen und diese Woche vergeht bereits wieder wie im Fluge mit den ersten Klienten nach der Pause.

Außerdem habe ich Gedanken zum Thema Umgang mit dem Sterben zu teilen.

Schräges Thema direkt nach dem Urlaub?

Seht selbst! Viel Spaß mit dem Blog.

Was für ein neues Gefühl! Ich bin in den Urlaub gegangen, ohne diese altbekannte Erschöpfung gehabt zu haben, völlig entleert und ausgehöhlt und atemlos über eine imaginäre Zielgerade in den Urlaub zu stolpern.

Das war so das Standard-Gefühl vor meinem Berufswechsel. Speziell in den letzten Tagen vor dem Urlaub in meinem alten Arbeitsumfeld waren die letzten Tage vor einer Pause meist noch einmal voller besonderer Hektik und dringend zu erledigender Dinge. Somit hatte ich dann meist in den ersten Tagen des Urlaubs irgendwelche „Zipperlein“, die sich Bahn brachen. Das hat den Urlaub dann leider oft ziemlich entwertet.

Zum Ende der Ferien hin ging es dann wieder los mit dem Rückkehrer-Blues. Die letzte Woche war dann oft so, dass ich mir endlose Gedanken darüber gemacht habe, wie denn der Arbeitsanfall sein würde und was alles an Prioritäten zu machen war, natürlich auch meist schon im Urlaub mit dem Blick auf die sich ansammelnden E-Mails in der Dienst-Inbox versüßt.

Boah! Das war schon krass und auch ein echter Fall von nicht funktionierender Selbstfürsorge und schiefliegendem emotionalen Management.

Im Kontrast dazu war der Urlaub diesmal ein echtes Novum. Die Arbeit der letzten Monate in der Selbständigkeit hat mich gar nicht so angefasst und ich spürte keinen echten akuten Urlaubsbedarf. Meine Batterie war konstant gut gefüllt und das tägliche Lebensgefühl überwiegend positiv. Natürlich auch mal mit ein paar Turbulenzen garniert, die hauptsächlich an Herausforderungen des emotionalen Managements geknüpft waren, wie bei jedem anderen Menschen auch. Aber doch merklich anders.

Woran lag es?

Die Antwort lautet für mich: Ich bin Herr über mich selbst. Herr über meinen Kalender. Ich mache nur das, was ich machen will. Die daraus resultierende Arbeit führt mir mehr Energie zu als sie mir abzapft. Ich sehe Sinn in meiner Arbeit und vor allem erfahre ich täglich Selbstwirksamkeit. Es ist beileibe kein Spaziergang diese neue Arbeit des Coachings und therapeutischer Begleitung bei diversen, sehr herausfordernden psychischen Themen zu machen und es wird uns als Dienstleistern in diesem Arbeitsfeld einiges zugemutet. Aber das meiste tropft an mir ab, weil ich weiß, dass es Sinn macht, meinen Klienten hilft und damit enorm befriedigend ist.

Was ist die Down Side?

Natürlich ist es genau das Thema, das alle Selbstständigen kennen.

Werden auch im kommenden Monat genug Aufträge und Klienten da sein?

Das ist nicht immer der Fall, weil Menschen im Sommer einfach mehr unterwegs sind und dann auch beim Therapeuten oder Coach mal weniger los sein kann. Das bedeutet für mich dann einfach mehr Zeit und Muße und mehr Fortbildung und Zeit für Kreativität.

Somit schwingt das Leben auf einem anderen Bewusstseins-Level und das ist ein echter qualitativer Gewinn, den ich dann mit meinen Klienten gerne teilen mag und teilen kann.

Und es bringt auch Freiräume für ein mir wichtiges Ehrenamt, die Sterbebegleitung beim Hospizverein in Hildesheim.

https://www.hospizverein-hildesheim.de/

Gerade komme ich wieder von einer neuen Begleitung. Ich verbrachte die letzten knapp 90 Minuten am Bett einer betagten sterbenden Frau. Ein hohes Alter, das leider nun keine Lebensqualität mehr bietet und daher hat sich die Dame auf den Weg gemacht.

Als ausgebildete Sterbebegleiter kennen wir die Symptome, die das nahe Ende einläuten und können in etwa abschätzen, wie lange sich der Sterbeprozess noch hinziehen wird.

Im heutigen Fall ist nichts Schreckliches am Sterben dieser betagten Dame zu sehen. Der Raum in der Pflegestation ist still, der Atem geht leicht und regelmäßig, aber es ist sichtbar, dass sich etwas abtrennt von diesem zerfallenden Körper.

Hat man diese Erfahrung schon etwas häufiger gemacht, stellt sich ein merkwürdig ruhiges Gefühl des Friedens ein. Verstirbt dann eine Person, ist da noch mehr zu sehen. Es gibt diesen Moment, in dem eine Energie den Körper verlässt. Ab da gibt es ein vorher und ein nachher. Und es gibt einen Körper, der völlig unbelebt ist und dem etwas fehlt.

Es trennt sich die antreibende Kraft des Lebens vom meist gezeichneten Körper. Das vorher noch belebte Gesicht wird maskenhaft und wächsern und erinnert kaum noch an die Persönlichkeit, die einmal den Körper bewohnt hat. Der Vergleich mit einer Wachspuppe ist sicherlich am treffendsten.

Je öfter ich diesen Prozess beobachte, desto mehr festigt sich in mir der unerschütterliche Glaube daran, dass die entweichende Energie, nennen wir sie Seele, gewichen ist. Es gibt da keinen Zweifel mehr für mich, dass dem so ist. Nur die Frage bleibt: Wohin ist sie gegangen?

Das kann ich nicht beantworten und wir haben alle unterschiedlichen Vorstellungen und Glaubensmuster davon, was hier passiert. Es ist eine solch elementare Situation, die mich immer wieder beeindruckt.

Was ich weiß, ist, dass der Anblick eines sterbenden Menschen immer etwas mit mir macht, was mich tief berührt, ist dieser Moment doch jedes Mal wieder so, als ob die Zeit stehen bleiben würde und alles andere um mich herum irrelevant wird.

Nach dem Abklingen dieser Empfindungen, die in diesem Raum entstehen, bleibt jedes Mal die Erkenntnis, dass das Leben kostbar ist und wir auf das achten müssen, was den Körper mit Leben erfüllt.

„Wir alle kommen hier nicht lebend heraus“ hat der Schauspieler Anthony Hopkins jüngst gesagt.

Er hat recht. Wir alle haben ein Ticket in der Tasche für eine Reise, deren Ziel wir nicht kennen.

Die Reise beginnt bei der Geburt und es ist sinnvoll, viel Freude und gute Erlebnisse auf diesem Erdentrip zu sammeln. Dazu gehört ein guter Umgang mit sich selbst und die Fähigkeit mit anderen Menschen diese Reise als gemeinsame Passagiere bestmöglich zu bewältigen. Letztlich müssen wir alle hier gut miteinander auskommen, damit möglichst alle von uns ein schönes Leben genießen dürfen.

Diese Arbeit verbindet mich mit vielen Erlebnissen, die mich verändert haben.

Und ich mache gerne Werbung für dieses Ehrenamt, das jedem offensteht, der sich hier positiv berührt fühlt.

Die Ausbildung ist oft für einen geringen Unkostenbeitrag verfügbar und die lokalen Hospizvereine geben gerne Auskunft.

Vom Urlaub und der Freude am Leben zum Sterben und der Trauer, das Leben verlassen zu müssen. Da habe ich jetzt aber eine Schleife hingelegt.

Mein Motto ist geworden, dass ich das Leben zunehmend vom Ende her denke, denn dann wird das „Erleben“ wertvoller als es vorher war, wenn wir uns dies nicht bewusst machen.

In meiner Arbeit biete ich auch psychologische Beratung zum Thema Umgang mit Sterben, Tod und Ängsten, die dieses Thema mit sich bringt, an.

Ich wünsche Euch allen nach dieser Sommer-Urlaubszeit viel Lebensenergie und einen guten Umgang mit Euch selbst und Eurem Leben.

Herzliche Grüße,

Michael Harms

Foto von Melissa Askew auf Unsplash

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